FLUG                   Öl/Collage auf Leinwand                    2019 


"Aus den Tagen, die Michele Cyranka durchlebt, löst sie das heraus, was für sie wichtig ist und wichtigbleibt. Wie in einem Rausch überlässt sie sich ihren bildnerischen Werken. Hier erfüllen sich Sehnsüchteund werden Träume lebendig. Hier findet sie Trost und berührt mitunter die Ewigkeit. Sie spricht dasUnaussprechliche in Gleichnissen aus, den Flug in die Höhe, den Sturz in die Tiefe, die Sehnsucht nach der Erfüllung von Träumen. Sie entkleidet das Wirkliche und führt es zurück auf das, was sie wachsen lässt und was sie mitunter traurig macht. Alles kommt Alles geht. Es gibt keinen Stillstand. Der Augeblick wird zur Ewigkeit - in der Bewegung des Körpers. Michele hat sich verloren im "Tanz des Lebens". Diese stille, eigenwillige Frau ist unbeirrt ihren Weg gegangen. Sie gehört zu denjenigen, die von ihrer künstlerischen Version beseelt sind und empfindet es als Glück, das Leben als Künstlerin abzuarbeiten, dass sie das, was sie in sich trägt dem Ton, der Radierplatte, den Zeichenstiften, dem Papier und den Leinwänden anvertrauen kann. Michele Cyranka ist nicht nur sensibel, sie ist sehr empfindsam. Sie lässt Schwingungen zu und schwingt mit. Schwingung heißt, in die Vertrautheit zu gleiten, aber auch wieder in die Fremdheit. Das Wechelspiel von Nähe und Distanz ist vergleichbar mit der Zärtlichkeit von Liebe und ihrer Abwehr. Alles hat seine Zeit und unterliegt rhythmischer Verwandlung. Die Farbmaterie ist für die Künstlerin eine Möglichket, die Schönheit und die Unwägbarkeiten des Lebens mit Hingabe zu beschreiben. Ihre Malerie ist materialisierte Poesie. Michele Cyranka ist eine Wissende Eva, die den roten Faden der Ariadne in der Hand hält, der sie durch das Lebenslabyrinth hin zum orientalischen Tanz führte. Sie vertraut ihrer eigenen Kraft, den Himmel mit der Erde zu verbinden, das Leben zu lieben, den Tag und die Nacht, das Licht und den Schatten. Mit dem Pinsel tanzend, entwirft sie als Künstlerin Landstriche, in die man sich zurückziehen möchte, sie entwirft Heimat, Orte, irgendwo im Nirgendwo, die verheißungsvoll von Nähe künden. Sie beschwört in halluzinatrischer Bewegeung Werte, die man schon verloren glaubte: mitmenschliche Wärme, Nähe und Toleranz ... "

 

(Auszug aus der Laudatio anlässlich der Ausstellung "Mein Augenhimmel" mit Steffen Lipski in der Galerie Mitte Dresden)

 

Karin Weber

Galeristin und Kunstwissenschaftlerin